Aktiv im Alter - Keramik im Hüftgelenkersatz

Unsere Lebenszeit verlängert sich und es ist heute normal, auch im fortgeschrittenen Alter noch aktiv zu sein. Gelenkverschleiß kann das einschränken. Arthrose und Rheuma gelten mittlerweile als Volkskrankheiten.

Lindern konservative Therapien den Schmerz nicht mehr oder ist die Bewegungsfähigkeit zu stark eingeschränkt, kann ein künstlicher Hüftgelenkersatz in Erwägung gezogen werden.

Millionen von Menschen weltweit erfahren dank eines künstlichen Hüftgelenks Schmerzlinderung und neue Mobilität. Im Jahr 2020 wurden allein in Deutschland 147.739 Hüftgelenkprothesen-Operationen durchgeführt.15

Das Implantat

Eine Hüftendoprothese besteht aus mehreren Komponenten. Diese wiederum bestehen aus verschiedenen Materialien. 

Der Schaft besteht aus einer metallischen Legierung.

Die Pfanne besteht aus einer metallischen Legierung.

Die Gleitpaarung besteht aus einem Kopf (entweder aus Keramik oder aus Metall) und aus einem Inlay oder Pfanneneinsatz (entweder aus Kunststoff oder aus Keramik).

Die Gleitpaarung gilt oft als das Kernstück der Prothese, denn sie ermöglicht die Bewegung des künstlichen Hüftgelenks. 

 

*Die nebenstehende Grafik ist eine schematische Darstellung eines Hüftgelenkersatzes und kann von den in der Behandlung tatsächlich verwendeten Implantat-Komponenten in System, Größe und Material abweichen.

Auf das Material kommt es an

In der Hüftendoprothetik ermöglicht die heute bevorzugte Verwendung von modernen Materialien, wie Hochleistungskeramiken oder hochvernetztem Polyethylen, ein aktiveres Leben.

Keramik überzeugt durch ihre exzellente Verträglichkeit1,2,3 und ihre extrem geringen Abriebraten4,5,6. Klinische Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz von keramischen Gleitpaarungen sich positiv auf die Standzeit, also die Haltbarkeit der Prothese, auswirkt.7,8

 

Allergien und Unverträglichkeiten gegen Metall

Immer wieder werden bei Betroffenen Unverträglichkeitsreaktionen insbesondere gegenüber Metallimplantaten beobachtet. Wenn Abriebpartikel oder Ionen des Prothesenmaterials ins Gewebe gelangen, setzen Prozesse ein, die zu Immunreaktionen wie allergischen Reaktionen führen können.

Lange Zeit galten Metall und insbesondere Kobalt-Chrom-Legierungen (CoCr) als das Material der Wahl. Wegen häufiger Komplikationen mit Kobalt-Chrom steigen jedoch die Bedenken gegenüber dem Material.9

Hier stehen Implantat-Komponenten aus Biokeramik zur Verfügung.

Keramik ist biokompatibel und langlebig

Implantat-Komponenten aus Biokeramik können bei Metallunverträglichkeiten als Alternative zur Verfügung stehen: Das Material ist hypoallergen10,11, allergische Reaktionen auf Keramik sind nicht zu erwarten. Im Unterschied zu Metall setzt Keramik zudem keine potenziell toxischen Metallionen frei12

Wegen ihrer hohen Biokompatibilität1 und Korrosionsbeständigkeit13,14 gilt Keramik als das Material der Wahl für Hüftgelenkersatz-Operationen. In Deutschland wählen Operateure für ihre Patienten daher mehrheitlich Keramik.15

 

„Bei den Materialien für Hüfttotalendoprothesen zeichnet sich ein Trend hin zu Keramikköpfen ab. Sie werden in 89% aller Erstimplantationen eingesetzt.“

(Quelle: EPRD15)

Fragen zu Allergien gegen Implantate?

Die Arbeitsgruppe AllergoMat beschäftigt sich mit Unverträglichkeitsreaktionen gegen Implantatmaterialien. 

Arbeitsgruppe AllergoMat

Einblicke in die Statistik

Lebensdauer eines Hüftgelenkersatzes

Patienten mit Hüftproblemen, die sich für ein neues Hüftgelenk entscheiden, fragen oft nach der Lebensdauer des Implantats. Laut dem Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) halten in der Regel über 90% der Implantate mindestens 10 Jahre. Eine Haltbarkeit bis zu 20 Jahren ist nicht selten. Ob ein Hüftimplantat gewechselt werden muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Laut EPRD sind Lockerung in 24,7% der Fälle und Infektion in 15,8% der Fälle die häufigsten Gründe für einen Wechsel. Forschungs- und Ärzteteams der Charité Universitätsmedizin Berlin konnten nachweisen, dass das Infektionsrisiko beim Gelenkersatz dank Keramik-Gleitpaarungen signifikant reduziert wird.

Ihr Arzt/Ihre Ärztin ist Ihre Ansprechperson bei allen Fragen rund um die für Sie geeigneten Therapieoptionen. Bitte wenden Sie sich vertrauensvoll an ihn/sie.

Referenzen

1. Asif I M. Characterisation and Biological Impact of Wear Particles from Composite Ceramic Hip Replacements.[PhD thesis]. Leeds, UK: University of Leeds; 2018. etheses.whiterose.ac.uk/20563. Accessed March 6, 2020.

2. Tsaousi A, Jones E, Case CP. The in vitro genotoxicity of orthopaedic ceramic (Al2O3) and metal (CoCr alloy) particles. Mutat Res. 2010;697(1-2):1-9. doi:10.1016/j.mrgentox.2010.01.012.

3. Esposito C, Maclean F, Campbell P, Walter WL, Walter WK, Bonar SF. Periprosthetic tissues from third generation alumina-on-alumina total hip arthroplasties. J Arthroplasty. 2013;28(5):860-866. doi:10.1016/j.arth.2012.10.021.

4. Grupp TM, Holderied M, Mulliez MA, et al. Biotribology of a vitamin E-stabilized polyethylene for hip arthroplasty – Influence of artificial ageing and third-body particles on wear. Acta Biomater. 2014;10(7):3068–3078. doi:10.1016/j.actbio.2014.02.052.

5. Nikolaou VS, Edwards MR, Bogoch E, Schemitsch EH, Waddell JP. A prospective randomized controlled trial comparing three alternative bearing surfaces in primary total hip replacement. J Bone Joint Surg Br. 2012;94-B(4):459-465. doi:10.1302/0301-620X.94B4.27735.

6. Higuchi Y, Hasegawa Y, Seki T, Komatsu D, Ishiguro N. Significantly Lower Wear of Ceramic-on-Ceramic Bearings Than Metal-on-Highly Cross-Linked Polyethylene Bearings: A 10- to 14-Year Follow-Up Study. J Arthroplasty. 2016;31(6):1246-1250. doi:10.1016/j.arth.2015.12.014.

7. Sharplin P, Wyatt MC, Rothwell A, Frampton C, Hooper G. Which is the best bearing surface for primary total hip replacement? A New Zealand Joint Registry study. Hip Int. 2017;28(4):352-362. doi:10.5301/hipint.5000585.

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9. Stiehler M, Zobel F, Hannemann F, Schmitt J, Lützner J, Kirschner S, Günther KP, Hartmann A. Komplikationen bei Metall-Metall-Gleitpaarungen. Der Orthopäde. 2014;43(1):79-91. doi: 10.1007/s00132-013-2131-z.

10. Thomas P, Stea S. Metal Implant Allergy and Immuno-Allergological Compatibility Aspects of Ceramic Materials. Heidelberg, Germany: Springer-Verlag Berlin Heidelberg; 2015.

11. Bergschmidt P, Bader R, Ganzer D, et al. Ceramic femoral components in total knee arthroplasty - two year follow-up results of an international prospective multi-centre study. Open Orthop J. 2012;6:172-178. doi:10.2174/1874325001206010172.

12. Kretzer JP, Mueller U, Streit MR, et al. Ion release in ceramic bearings for total hip replacement: Results from an in vitro and an in vivo study. Int Orthop. 2018;42(1):65-70. doi:10.1007/s00264-017-3568-1.

13. Kocagoz SB, Underwood RJ, MacDonald DW, Gilbert JL, Kurtz SM. Ceramic heads decrease metal release caused by head-taper fretting and corrosion. Clin Orthop Relat Res. 2016;474(4):985-994. doi:10.1007/s11999-015-4683-1.

14. Thomas P, Stea S. Metal Implant Allergy and Immuno-Allergological Compatibility Aspects of Ceramic Materials. Heidelberg, Germany: Springer-Verlag Berlin Heidelberg; 2015.

15. Grimberg A, Jansson V, Lützner J, Melsheimer O, Morlock M, Steinbrück A. EPRD Deutsche Endoprothesenregister - Jahresbericht 2021. Berlin, Germany: EPRD; 2020. doi:10.36186/reporteprd042021.